ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Steine im Windweg

Management

WEA – Aussschreibungen im Rahmen von Fördersystemen haben zu starkem Kostendruck geführt. Darauf reagieren Hersteller mit verschiedenen Strategien. In Deutschland bestehen aber noch Unsicherheiten, die laut der Branche nicht gerade förderlich sind.

30. August 2018

497 Anlagen mit einer Leistung von 1.626 MW hat die Windbranche im ersten Halbjahr 2018 an Land neu errichtet das entspricht einem Rückgang des Bruttozubaus um 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 2.281 MW. Mit dem Rückgang habe man gerechnet, so Bundesverband Windenergie und VDMA Power Systems. Der aktuelle Ausbau sei im Wesentlichen auf die Übergangsregelung des alten EEG zurückzuführen. In den Auftragsbeständen und der nahen Zubauperspektive würden Auswirkungen des Fehlers sichtbar, nicht genehmigte Projekte in den Ausschreibungen zuzulassen. Anfang Juni hatte der Bundestag die Sonderbehandlung sogenannter Bürgerenergieprojekte bis Ende 2019 aufgehoben. Nun brauchen alle Windparkprojekte an Land eine Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz, um an EEG-Auktionen teilzunehmen.

Herausforderungen bleiben aber bestehen: »In Deutschland ist noch nicht klar, wann die im Koalitionsvertrag für 2019–20 genannten Sonderausschreibungen von 4.000 MW für Windenergie an Land stattfinden werden. Darüber hinaus ist die neue Regierung bei der Bestätigung der Auktionsvolumina für die Zeit nach 2020 sehr langsam«, sagt Pierre Tardieu, Chief Policy Officer vom europäischen Verband Windeurope.

»Natürlich ist ein ambitionierter und dynamischer Heimatmarkt die Voraussetzung für Exporterfolge im wachsenden Weltmarkt. Die Ziele des Koalitionsvertrags und der neue Rahmen aus der EU-Energiepolitik sind richtig. Was die Industrie nun benötigt, ist eine stringente Umsetzung in Ausschreibungsmengen und Ausbauzahlen«, so Matthias Zelinger, Geschäftsführer VDMA Power Systems.

Lange GenehmigungsVerfahren

»Die durch die deutsche Regierung gesetzten Rahmenbedingungen könnten deutlich besser sein«, sagt Immo von Fallois vom Hersteller Senvion. »Die im Koalitionsvertrag definierten Ziele, 2019 und 2020 zusätzlich 4GW Wind Onshore und ein Zusatzvolumen Offshore-Wind auszuschreiben, wurde erst auf unbestimmte Zeit verschoben und jetzt nicht mehr erwähnt.«

Der für die erneuerbaren Energien erforderliche Netzausbau liegt laut Expertenkommission der Regierung deutlich hinter den selbst gesetzten Zielen zurück. Auch die Genehmigungsverfahren der lokalen Behörden für Windprojekte dauern deutlich zu lang, stellt von Fallois heraus. »In Summe wird ein Erreichen der Klimaschutzziele damit zunehmend unwahrscheinlicher.«

Die Marktentwicklung unterstreiche die erneuerbaren Energien als gefragteste Anlagentechnik, aber sie zeige ebenso deutlich, welche vermeidbaren Unsicherheiten den Heimatmarkt prägen, so ein Siemens-Gamesa-Sprecher. »Im Kern braucht die Branche nach wie vor klar geregelte Ausbauperspektiven.« Sowohl im Offshore- wie im Onshore-Markt hätten die Auktionen zu einem starken Kostendruck geführt, der die Windbranche derzeit verändere. »Nur wer hoch effiziente Anlagentechnik in großer industrieller Fertigung preisgünstig herstellen kann, wird in diesem Markt überleben.«

Die Hersteller fahren verschiedene Strategien. Neben größeren Stückzahlen hat auch die Größe der Windturbinen und Rotoren zugenommen, wie der Veranstalter der Messe Windenergy Hamburg mitteilt. Weitere Strategie seien modulare Plattformen mit flexiblen Nennleistungen und/oder unterschiedlichen Rotordurchmessern und Nabenhöhen für Onshore-Anlagen, um besser auf Märkte und geografische Gegebenheiten reagieren zu können.

»Siemens Gamesa entwickelt gezielt marktspezifische Produkte, wenn sich ein Bedarf abzeichnet. Unsere im April vorgestellte 2,1-MW-Turbine SG 2.1-122 mit 122-Meter-Rotor beispielsweise wurde speziell für den indischen Markt entwickelt, wo sie unser Volumenmodell SG 2.0-114 ergänzt«, erklärt Ricardo Chocarro, CEO Onshore bei Siemens Gamesa. »Eine neue Getriebe-Turbinenplattform ab 4 MW mit flexiblen Nennleistungen befindet sich in Entwicklung.« Das Unternehmen will eigenen Angaben zufolge auf der Messe Innovationen bei Anlagentechnik, Servicekonzepten und Speichertechnologie vorstellen.

Für das Energiesystem

So präsentiert es auch einen Wärmespeicher, der elektrische Energie in heißen Steinen speichert. Die Speicherkonzepte der Aussteller reichen von Lithium-Ionen-Akkus über Redox-Systeme bis zu Druckluft und Power-to-X-Lösungen. Smart-Energy-Hybridsysteme wie das von Vestas kombinieren etwa Wind- und Solarstrom und koppeln dies mit Speichersystemen. Auch Siemens Gamesa bietet ähnliche Lösungen. Enercon zeigt eine neue bidirektionale Energiespeicherlösung, die das Einspeisen von Strom in Batteriesysteme und die anschließende Stromabgabe beschleunigt.

Neben Siemens Gamesa sind laut Veranstalter weitere Anbieter, die in Hamburg ausstellen, in die Onshore-Klasse von 4 bis 5 MW eingestiegen. So auch Senvion. Das Unternehmen wird auf der Messe unter anderem seinen Prototypen 4,2M140 vorstellen. »Diese ist hervorragend für niedrige und mittlere Windgeschwindigkeiten geeignet und erschließt durch die hohe Effizienz weitere Standorte für Windenergieanlagen«, so von Fallois. Man werde den Prototypen noch 2018 in einem Projekt in Deutschland einsetzen. Senvion wird auf der Messe auch seine Entwicklungen im Bereich Offshore vorstellen. Der Hersteller forscht im Rahmen des EU geförderten Projekts Realcoe an der nächsten Generation großer Offshore-Windenergieanlagen im Leistungsbereich 10 MW+.

»Unternehmen können nicht auf Hoffnung bauen, sie müssen harte ökomomische Kennzahlen betrachten«, so Hermann Albers, Präsident des BWE. »Nicht der Kostendruck der eingeführten Ausschreibung, sondern die geringen Ausschreibungsvolumen und das fehlerhafte Ausschreibungsdesign in 2017 belasten die Windbranche und führen zu gefährlichen Beschäftigungsverlusten.« Das führe zu einem Verlust von Know-how und untergrabe so die starke Position im internationalen Wettbewerb. mwi/hd

Wissen kompakt

Windenergie-Ausbau Onshore 2018

Stand 30. Juni 2018 stehen auf dem deutschen Festland 29.071 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 52.282,3MW. Das geht aus Zahlen hervor, die die Deutsche Windguard im Auftrag der Verbände BWE und VDMA Power Systems erhoben hat. Im ersten Halbjahr wurden rund 1.626MW neu errichtet. Davon bestanden 296,5MW aus Repowering-Projekten. Abgebaut hat die Branche Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 120,7MW. Für das Gesamtjahr rechnen die Verbände mit einem Zubau von 3.300 bis 3.500 MW. (Quelle: BWE)

Erschienen in Ausgabe: Nr. 07 /2018